Das männliche Klimakterium - ein Phänomen sucht seine Definition und seinen Namen
Auswirkungen des Testosteronmangels
Alter und Sexualität
  - Soll Patienten mit bekanntem Herzleiden von sexuellen Aktivitäten abgeraten werden?
Testosteron-Ersatz im männlichen Klimakterium
-   Testosterone in Tablettenform
-   Testosteronpräparate als Injektionen
-   Testosterone als Hautpflaster
-   Neue Substanzen und Anwendungen
Veränderungen des Hodengewebes im Alter?
-   Was passiert nun mit dem Hoden im Alter?
Testosteron-Ersatz und Prostataveränderungen - Zusammenhänge erwiesen?
-   Testosteron-Ersatz - ein Risiko für Herzkrankheiten?
-   Und was geschieht mit dem Cholesterin?
-   Zukunftsperspektiven
Selbsttest und Fragebogen

 

Der alternde Mann

Das männliche Klimakterium - existiert es wirklich?

Dr. med. Christian Sigg
Leitender Arzt des Instituts für Dermatohistopathologie und Andrologie
Regensbergstrasse 91
8050 Zürich

Tel. 044/312 47 57
Fax 044/311 21 27

2000


Das männliche Klimakterium - ein Phänomen sucht seine Definition und seinen Namen

Die Wechseljahre der Frau mit ihren spezifischen Veränderungen und charakteristischen Auswirkungen beschäftigen seit Jahrzehnten die klinische Medizin und die Forschung. Die Gründung sogenannter Menopausegesellschaften auf der ganzen Welt - im medizinischen und paramedizinischen Bereich - sind Ausdruck der intensiven Beschäftigung mit diesen Problemen. Bei zunehmender Lebenserwartung kann man heute davon ausgehen, dass die Frauen rund 1/3 ihres Lebens in ovarieller Insuffizienz verbringen, d. h., bei ungenügender Hormonproduktion der Eierstöcke.

Ein Pendant zu den Wechseljahren der Frau beim Mann zu definieren wurde zwar seit Jahrzehnten versucht, bedingt durch die völlig anderen Altersvorgänge sowie eine enorme Streubreite der Erscheinungsformen wurde die Existenz eines männlichen Klimakteriums aber lange Zeit verneint. Einige in fast biblischem Alter gezeugte Kinder prominentester Zeitgenossen (erwähnt seien hier Pablo Picasso, Gary Grant und Charlie Chaplin) sollten diese These untermauern. Zudem hatte die Frage nach dem männlichen Klimakterium eine nicht unerhebliche psychologische Hürde zu überwinden, galt (und gilt auch heute noch) eine derartige Frage zu stellen - in einer Männer dominierten Gesellschaft - schlichtweg für unakzeptabel oder tabu.

Die messbaren Veränderungen der Hormonsituation wie auch die zahlreichen nicht zu übersehenden klinischen Zeichen des Alters beim Mann haben schliesslich zu mehreren Versuchen geführt, das Phänomen sprachlich einzukreisen: neben dem - zugegebenermassen wenig zutreffenden - Begriff des männlichen Klimakteriums haben sich andere sprachliche Neuschöpfungen wie "männliche Wechseljahre", "Andropause", "Male Midlife Crises" bis hin zum Begriff des "Partial Androgen Deficiency in Aging Male (PADAM)" oder des "Partial Endocrine Deficiency in Aging Male (PEDAM)" etabliert.

Keineswegs völlig unerwartet haben sich zunächst die Definitionen sowie die zu diesem Thema angestellten Untersuchungen auf die Störungen der Sexualfunktion beim alternden Mann konzentriert. Damit wurde ausgerechnet der schwierigste Fragenkomplex ins Zentrum gestellt und die übrigen Auswirkungen des Alters auf die andrologischen Funktionen des Mannes vernachlässigt. Alterungsprozesse können - dies leuchtet unschwer ein - nicht einzelne Körperfunktionen isoliert betreffen sondern sind im Verbund mit den übrigen Organen einzuordnen. Es liegt wohl in der männlichen Psyche wie auch teilweise in den sozialen Verhaltensmustern begründet, dass wir ein Nachlassen von Muskelkraft, Schnelligkeit, Gedächtnis, Sehkraft und Hörfähigkeit im Alter ohne weiteres akzeptieren, die Sexualfunktionen jedoch weiterhin wie in den ersten Lebensjahrzehnten zu funktionieren haben. Derartige offensichtliche und eben doch klar überlagerte Widersprüche aufzudecken und die Auswirkungen des Alters auf die Sexualfunktionen wie auch die übrigen Körperfunktionen beim Mann auszuleuchten soll Gegenstand dieser kleinen Schrift sein.

 
 

Auswirkungen des Testosteronmangels

Testosteron, das wichtigste und wirkungsvollste männliche Hormon, zirkuliert im Blut weitgehend an Eiweisse gebunden. Nur ein geringer Prozentsatz ist frei (freies Testosteron) und damit auch wirksam. Veränderungen der Hormonsituation müssen deshalb immer den gesamten Gehalt an Testosteron, die Konzentration an freiem Testosteron und auch die Konzentration an hormonbindenden Eiweissen berücksichtigen.

Bis zum 40. Lebensjahr finden sich bei weitaus der grössten Zahl der Männer konstante Werte für Testosteron, freies Testosteron und sexualbindendes Globulin (hormonbindendes Eiweiss). Zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr nimmt das freie Testosteron (und damit der wirksame Anteil) rund 1% jährlich ab. Diese relativ undramatische Abnahme steht im Gegensatz zum abrupten Abfall der weiblichen Sexualhormone im Klimakterium (Wechseljahre). Der ausgesprochen enge Kontakt zwischen den Hormon produzierenden Hodenzellen und dem Tubulussystem des Hodens erklärt die Tatsache, dass die Samenproduktion bis ins hohe Alter erhalten sein kann.

Die langsam abnehmenden Testosteronkonzentrationen führen jedoch im Laufe der Lebensjahrzehnte zu einer negativen Beeinflussung verschiedener Organsysteme:

Die Frequenz der sexuellen Kontakte ist im Alter nach 40 Jahren fast linear abnehmend. Obschon Potenzstörungen nach dem 40. Lebensjahr deutlich zunehmen, hat die erektile Dysfunktion - entgegen der landläufigen und auch unter medizinischem Personal oft verbreiteten Meinung - nichts mit der Testosteronkonzentration im Blut zu tun. Gleiches gilt aber nicht für die Libido (sexuelles Verlangen), deren Beeinflussung durch Testosteronwerte durchaus vorhanden ist.

Ein relatives Testosterondefizit führt zudem zur Verstärkung des männlichen Haarausfalles, zu einer trockenen Haut wie auch zur Blutarmut (Anämie). Die Osteoporose (Knochenschwund) sowie die Muskelschwäche als auch eine gewisse Abnahme der Muskelquerschnitte sind als Auswirkung der Testosteronreduktion aufzuführen. Unter dem Einfluss der 5-@-Reduktase(ein Stoff, der das männliche Hormon abbaut) ist die Prostata das einzige Organ, das mit zunehmendem Lebensalter ein Wachstum aufweist, obschon die Testosteronwerte absinken.

Die folgende Tabelle zeigt die klassischen mit einem vollständigen oder teilweisen Testosteronmangel einhergehenden Symptome beim alternden Mann:

vermindertes Allgemeinbefinden
verminderte sexuelle Aktivitäten
Abnahme der Libido (sexuelles Verlangen)
Verminderung der kognitiven Funktionen (Denkfunktionen)
Abnahme der roten Blutkörperchen
Abnahme der Muskelkraft
Knochenschwund
eingeschränkte Immunkompetenz (Abwehrkräfte)
Zunahme des sogenannten Bauchfettes und der allgemeinen Fettmasse
Zunahme von Herzkreislauf-ErkrankungenSchlafstörungen
depressive Verstimmungen

Eine Zivilisation wie die unserige, in der die Menschen immer älter werden (zwischen 1995 und 2040 ist mit einer Zunahme der alten Menschen um 100% zu rechnen!), muss nicht nur mit ausgeprägteren Formen des Hormonmangels sondern auch mit vielfältigen Auswirkungen von Medikamenten rechnen. Testosteronspiegel lassen sich durch Medikamente negativ beeinflussen, wobei nur Anabolika (Dopingmittel), Ketoconazole (Pilzmittel), Spironolacton (Blutdruckmittel), Cimetidin (Magenerkrankungen), Oestrogene und GnRH-Analoga (Hormone) erwähnt sein sollen. Gerade bei älteren Patienten mit bereits vermindertem Testosteronspiegel ist der Einsatz solcher Medikamente gut zu überlegen.

 

 

Alter undSexualität

Die Sexualität zu definieren ist ein schwieriges Unterfangen und die WHO hat sich schliesslich zu folgender Formulierung verstiegen:
Die Sexualität als wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens beinhaltet das Erleben von Glück und Erfüllung. Störungen der Sexualität erfüllen - dies ist heute unbestritten - die Kriterien einer Krankheit. Glück und Erfüllung zu definieren gelingt nur dem einzelnen Individuum für sich selbst und so müssen sämtliche Definitionen wie auch die Diagnosen von Störungen der Sexualität unter dem Gesichtspunkt der ausgeprägten Subjektivität kritisch betrachtet werden.

Altern hat viele Aspekte, die sich zumindest teilweise voneinander trennen lassen. Biologisches Altern, hormonelles Altern und psychisches Altern können in unterschiedlichem Rhythmus und Ausmass verlaufen, gesamthaft ergibt sich daraus zumindest das Bild der sogenannten Andropause.

Moderne Untersuchungen haben ergeben, dass das sexuelle Interesse im Alter keineswegs erlahmen muss: so geben über 50% der 80 bis 90-jährigen Männer durchaus Interesse an sexuellen Aktivitäten an, die jedoch - wiederum aus verschiedensten Gründen, auf die noch einzugehen sein wird - kaum ausgelebt werden können.

Das sexuelle Erleben ändert sich im Alter in charakteristischer Weise: die Erregungsphase ist deutlich verkürzt, der Orgasmus läuft schneller ab, die Rückbildungsphase ist ebenfalls verkürzt, dagegen die Wiedererholungszeit deutlich verlängert. Aus den natürlichen Altersprozessen sowie der kontinuierlichen Abnahme des Testosterons (männliches Hormon) leiten sich unschwer auch verminderte sexuelle Fähigkeiten und Funktionen ab, die jedoch in den meisten Fällen nicht akzeptiert werden und damit - wie oben aufgeführt - die Kriterien einer Krankheit erfüllen. Grundsätzlich aber handelt es sich in den meistens Fällen um einen einfachen Widerspruch in der Erwartungshaltung: verminderte Körperfunktionen wie diejenigen des Bewegungsapparates, des Sehens und Hörens werden ohne zu murren hingenommen, währenddem die sexuellen Aktivitäten den Stand des 16. Lebensjahres unbeirrt zu halten haben. Der deutsche Androloge H. J. Vogt definiert deshalb das Klimakterium virile als eine existentielle Krise des alternden Mannes durch Ueberforderung des Ich-Ideales.

Hier anzufügen ist, dass ein primärer Libidomangel (Mangel an sexuellem Interesse) kaum je existiert. Die bei unseren Patienten zu beobachtenden Störungen der Libido sind oft als Schutzbehauptungen und damit als reaktive Libidostörung (Verhaltensstörung) aufzufassen. Körperliche Störungen, Beeinträchtigung der Sexualität oder des Soziallebens bis hin zur Depression (Verstimmung) sind hier aufzuführen. Die Abwehr agressiver unbewusster Regungen aufgrund enttäuschter Wünsche nach Liebe, Anerkennung und Erfolg lassen körperliche Erscheinungen beobachten, die oftmals fälschlicherweise als echtes Klimakterium virile interpretiert werden. Erst die Erkenntnis, dass der Stellenwert der Sexualität individuell im Laufe des Lebens wechseln muss, erlaubt eine eigentliche Beurteilung und Diagnostik der tatsächlichen Abweichungen von der Norm, welche einer Behandlung bedürfen.

Erst wenn man sich vor Augen hält, dass Essen und Sexualität die zwei wichtigsten Dinge in unserem Leben sind, die keine Altersgrenze kennen, lässt sich auch ihre Bedeutung für den Patienten besser einschätzen. Berücksichtigt man die normalen altersbedingten Verminderungen der sexuellen Fähigkeiten, bleibt das gewissermassen alterskorrigierte Grundbedürfnis bestehen, das bei Abweichungen nach unten sehr wohl einer Behandlung in irgendeiner geeigneten Form bedarf.

 

Soll Patienten mit bekanntem Herzleiden von sexuellen Aktivitäten abgeraten werden?

0,6% aller plötzlicher Todesfälle passieren beim Geschlechtsverkehr, wobei Männer 4 x häufiger betroffen sind als Frauen. Bemerkenswerter Weise sind in 2/3 der Fälle ausserehelicher Verkehr sowie vorheriger reichlicher Alkoholkonsum zu registrieren.

Moderne Untersuchungen der Herzfunktionen zeigen, dass bei normalem Geschlechtsverkehr die Herzbelastung nur minimal ist und - von fast athletischen Fähigkeiten erfordernden Stellungen abgesehen - die Pulsfrequenz 117 Schläge pro Minute bei nur geringgradig erhöhten Blutdruckwerten nicht übersteigt. Zeigen Patienten Anzeichen von verminderter Herzmuskeldurchblutung im Belastungs-Elektrokardiogramm ist gegebenenfalls der Einsatz von sogenannten Nitroglycerinen zu diskutieren (was wiederum aber eine Einnahme von Viagra selbstverständlich ausschliesst!). Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass in den seltensten Fällen Patienten mit belasteter Herz-Vorgeschichte von massvollen sexuellen Aktivitäten abzuraten ist.

 

 

Testosteronersatz im männlichen Klimakterium

Nach dem 40. Lebensjahr sinkt die Produktion des freien Testosterons jährlich um 1% ab. Mit zunehmendem Alter steht damit eine - allerdings nur geringgradig verminderte - Menge des freien Testosterons zur Verfügung. Bekanntlich sind 40% des Testosterons an sexualbindendes Globulin (Eiweiss) fixiert, 58% locker an Albumin (Bluteiweiss) gebunden und nur 2% frei und damit biologisch verfügbar. Die unteren Grenzwerte des gesamten Testosterons variieren je nach Studie zwischen 10 bis 12 nmol/l.

Im Alter ändert sich in auffallender Weise der bekannte Tagesrhythmus der Testosteronproduktion: Die morgendlichen Spitzen und Abflachungen zum Abend hin sind weniger deutlich ausgeprägt, insgesamt findet sich eine bemerkenswert flachere Kurve. Die Empfindlichkeit der Zielorgane auf Testosteron und seine Wirkungen sind im Alter anders, wobei einzig die Prostata hier eine gegenteilige Rolle spielt.

Das Ziel eines Testosteronersatzes muss sein:

Normalisierung des Gesamttestosterons
Normalisierung der LH-Produktion (Kontroll-Hormon der Hirnanhangsdrüse)
Normalisierung der "jugendlichen" Tagesrhythmik

Zur Erreichung dieser Ziele - darüber ist sich die Literatur einig - sind möglichst natürliche Testosteronmoleküle zu verwenden, da so am ehesten das breite Wirkungspektrum des natürlichen Hormons erhalten bleibt. An diesen Kriterien muss der bereits existierende Testosteronersatz gemessen werden.

Um Testosterone in der Behandlung einsetzen zu können, werden drei Wege beschritten

   1.   chemische Veränderung
   2.   Veresterung in der Position 17 des Hormon-Moleküls
   3.   unterschiedliche Anwendungsformen

 

Testosteron in Tablettenform

(Orale Testosteronpräparate)

Der Versuch, das natürliche Testosteron als Ersatz zu verwenden, liegt nahe. In Tablettenform verabreichtes freies Testosteron wird gut aus dem Darm aufgenommen, jedoch in einem First-pass-Effekt (bereits beim ersten Durchgang durch die Leber) vollständig von der Leber umgewandelt und abgebaut, sodass es die Zielorgane nicht erreicht. Erst wenn hohe Testosteronwerte in Tablettenform verabreicht werden (600mg pro Tag und damit 100 x mehr als normalerweise produziert) wird die testosteronabbauende Kapazität der Leber überschritten und die Konzentrationen im Blut erreichen einen Normalwert.

Um den First-pass-Effekt der Leber nach oraler Gabe zu vermeiden, wird Testosteron in Position 17-Beta verestert (Undecanoat- chemische Aenderung des Moleküls). Dieses Testosteron-Präparat ist unter dem Markennamen Andriol im Handel - die in Oel gelösten Kapseln zu 40 mg enthalten 25mg reines Testosteron. Der Serumgipfel wird nach 2 - 6 Stunden nach Einnahme beobachtet, daher sind 2 - 4 Kapseln über den Tag verteilt erforderlich. Obwohl damit relativ hohe Testosteronkonzentrationen verabreicht werden, wurden langfristig keine Nebenwirkungen oder toxische Effekte beobachtet.

Weitere orale Testosteronpräparate wie Methyltestosteron, Fluoximestron und Mesterolon erwiesen sich wenig erfolgreich.

Grundsätzlich muss jede Testosteronbehandlung bei einer Unterfunktion, egal welcher Form, überwacht werden. Die Kriterien zur Ueberwachung sind dabei:

psychische und sexuelle Messgrössen
somatische Messgrössen (Körpergewicht, Fettverteilung, Talg)
Labormessgrössen (Testosteron, DHT, Oestradiol, Erythropoese)
Prostata und Samenblasen
Knochen

 

Testosteronpräparate in Spritzenform

(Intramuskuläre Testosteronpräparate)

Das am weitesten verbreitete Ersatzschema besteht in der Verabreichung von Testosteron-Enantat in den Muskel. Dieses Präparat zeigt eine Halbwertszeit von 4,5 Tagen. Die Standarddosierung beträgt 250mg Testosteron-Enantat pro Monat. Die Werte steigen dabei anfänglich sehr rasch und hoch an, die Serumspiegel fallen allmählich wieder ab um etwa am 12. Tag die untere Normalgrenze zu passieren. Bei wiederholten Injektionen, wie sie für den Hormonersatz erforderlich sind, entsteht damit das charakteristische Sägezahnprofil.

Testosteron-Propionat hat eine entsprechend kürzere Seitenkette als Testosteron-Enantat im chemischen Molekül und eine kurze Halbwertszeit. Wegen der Notwendigkeit zur häufigen Injektionen eignet sich Testosteron-Propionat daher nicht zur Dauerbehandlung. Auch eine Kombination mit Testosteron-Enantat bringt keine Vorteile.

Testosteron-Undecanoat in öliger Lösung weist dagegen eine deutlich längere Halbwertszeit auf als Testosteron-Enantat. Neben der längeren Wirkungsdauer ist das Fehlen der anfänglichen Spitzenwerte im Serumtestosteron (Blutspiegel) als Vorteil gegenüber Testosteron-Enantat zu betrachten.

Eine noch flachere Testosteron-Serumkurve und noch längere Abstände zwischen zwei Spritzen lassen sich nun mit Testosteron-Buciclat erzielen. In klinischen Studien konnte die Wirkung dieses Präparates auf die Blutbildung, Muskelstoffwechsel, sexuelles Verlangen und Potenz bewiesen werden. Noch ist dieses Präparat aber nicht im Handel erhältlich.

Allen in den Muskel verabreichten Testosteron-Präparaten ist aber gemeinsam, dass sie schlecht steuerbar sind und das Postulat der Absetzbarkeit nicht erfüllt ist.

 

Testosteronpräparate als Hautpflaster

(Transdermale Testosteronpräparate)

Die Anwendung von Medikamenten über die Haut, die transdermale Applikation von Arzneimitteln, hat wegen zahlreicher Vorteile gegenüber den anderen Anwendungsformen in den letzten Jahren stark an Boden gewonnen. Im Hormonbereich ist vor allem die transdermale Applikation von Oestrogenen bei der Frau weit verbreitet.

Die Entwicklung eines Systems zur Hormonersatzbehandlung des Mannes über die Haut stiess jedoch auf Schwierigkeiten, da beim Mann Dosen im Bereich der normalen Eigenproduktion von Testosteron, d.h., etwa 6mg pro Tag, angewandt werden müssen, während die entsprechende Menge für Oestradiol bei der Frau im Mikrogrammbereich und damit viel tiefer liegt.

Heute bestehen Hormonersatzsysteme, die im Bereiche des Hodensackes aufgeklebt werden und eine normale Tagesrhythmik erlauben. Nicht von allen Männern wird diese Anwendungsform gut toleriert, sodass inzwischen auch transdermale Testosteronpflaster entwickelt wurden, die an anderen Hautstellen aufgeklebt werden können.

Um die notwendige Testosteronkonzentration durch die Haut transportieren zu können, müssen diese Systeme mit einem Enhancer (Verstärker) versehen werden, was zu unangenehmen Hautirritationen führen kann. Zum Hormonersatz müssen zwei Systeme aufgetragen und für 24 Stunden belassen werden. Zur Dauerbehandlung muss dieses Präparat ebenfalls täglich erneuert werden. Wie die im Bereiche des Hodensackes aufgeklebten Systeme, bewirken diese Hautpflaster Testosteronwerte im Normbereich mit normalem Tagesprofil, wobei sich die Oestradiolwerte (weibliche Hormone als Abbauprodukt der Testosteronersatzbehandlung) im Normbereich bewegen.

Testosteronimplantate gehören zu den ältesten Testosteronpräparaten. Sie bestehen aus reinem Testosteron, das in zylindrische Form gegossen ist. Sie werden unter sterilen Bedingungen unter die Bauchhaut eingebracht. Werden drei bis sechs Implantate angelegt, können langsam sinkende Testosteronspiegel im Normbereich für 4 - 6 Monate erzielt werden. Die Anwendungsart, gelegentlich beobachtende Abstossungen der Implantate, Blutungen und Infekte schränken aber schliesslich diese Behandlung ein.

 

Neue Substanzen und Anwendungen

Neue medizinische pharmakologische Entwicklungen wie das 7-@-Methyl-19-nor Testosteron MENT, das direkt an der Hormonbindestelle andockt und nicht über den gewöhnlichen, für die Prostata möglicherweise gefährlichen Abbauweg verläuft, können entscheidende Fortschritte bringen.

Nach wie vor bemüht man sich in der Forschung um Wege, das natürliche reine Testosteron ohne Nebenwirkungen und gut steuerbar in den Organismus einzubringen. Hier eignet sich eine einfache Anwendungsart von Testosteron ganz besonders gut, die über die Nasenschleimhaut geht und in Form eines Nasensprays in den Handel kommen wird. Auf diese Weise lassen sich die Serumspiegel leicht normalisieren, die geforderte Tagesrhythmik auf perfekte Weise erreichen und vor allem ist es möglich, individuell die Dosierung anzupassen. Auch die Forderung nach Absetzbarkeit ist vollumfänglich erfüllt.

Androstandion - ein Vorläufer des Testosterons - wird einen weiteren Durchbruch in der Hormonersatzbehandlung bedeuten. In Tablettenform oder als Nasenspray verabreicht, wird dieses Hormon vom körpereigenen Enzymsystem in Testosteron umgewandelt. Wie beim Testosteron-Nasenspray ist die Handhabung einfach und sicher, der Tagesrhythmus leicht zu erreichen und zudem besteht der Vorteil der Umwandlung durch körpereigene Substanzen in die notwendigen Mengen Testosteron.

 

Veränderungen des Hodengewebes im Alter

Die Veränderungen der Hodengrösse im Alter zeigen kein einheitliches Bild: Erstaunlicherweise muss grundsätzlich kein Gewebeschwund eintreten: so beschrieb der Zürcher Pathologe Hedinger einen 97-jährigen Patienten mit völlig normalen Hodenstrukturen. Bei der Mehrzahl von 90-jährigen Greisen jedoch findet sich ein Schwund der samenzellbildenden Gewebe.

Die Testosteron-bildenden Leydigzellen (Hodenzellen) beim alternden Mann gehen in der Regel in ihrer Gesamtzahl zurück. Das berechnete Gesamtgewicht der Leydigzellen nimmt ab, wobei jedoch fast ein Drittel der Männer in der 6. Dekade noch Normalwerte zeigen.

Im Alter muss in der Regel also mit einer Verminderung der hormonproduzierenden Leydigzellmasse und der Zahl der Leydigzellen gerechnet werden. Unklar bleibt aber bis heute: wann beginnt das andrologische Alter und in welchem Ausmass ist das Alter mit den Veränderungen der Leydigzellen verbunden?

Die Fachliteratur kennt zahlreiche altersabhängige Veränderungen der Hodenstrukturen:

abnehmende Spermienzahlen (Samenzellzahlen)
Abnahme des Ejakulatvolumens
zunehmende Missbildungsformen der Samenzellen
abnehmendes Hodengewicht
Veränderungen der Chromosomenstrukturen
vermehrtes Auftreten von Abwehrstoffen gegen Samenzellen
Abnahme des Testosterons
Leydigzellveränderungen
vermehrte Störungen der Samenzellbeweglichkeiten

In Zukunft werden neue Studien sich mit den unterschiedlich ausgeprägten Formen der Hodenveränderungen im Alter befassen müssen - nicht zuletzt auch mit der Frage, ob sich diese degenerativen Prozesse durch Testosterongaben verbinden lassen.

 

Testosteronersatz und Prostataveränderungen - Zusammenhänge erwiesen?

Die Ursache der Erektionsstörungen sind vielfältig und in erster Linie auf Gefässveränderungen und nicht auf hormonelle Mechanismen beruhend. Nach dem 40. Lebensjahr nimmt die Testosteronkonzentration zwar ab, jedoch in einem derart bescheidenen Ausmass, dass das rasante Auftreten von Erektionsstörungen in dieser Altersgruppe sowie den nachfolgenden Alterskategorien kaum erklärbar ist.

Der Testosteronersatz - dies haben eingehende Studien bis heute belegt - verursacht keine Vergrösserung des Prostatavolumens noch hat er einen nachweisbaren Effekt auf das prostataspezifische Antigen (Marker für Entwicklung einer Vergrösserung oder eines Prostatakrebses). Da nach dem 50. Lebensjahr bis zu 30% der Männer versteckte Prostatacarcinome (Krebsformen) aufweisen können, sind die Zusammenhänge zwischen Testosteroneinnahme dieser Patientengruppe und einem allfällig beschleunigten Wachstum eines Prostatakrebses keineswegs bewiesen oder aber ausgeschlossen. Aus Untersuchungen an Sportlern mit Einnahme von Anabolika ist der negative Einfluss auf ein Prostatakarzinom (Prostatakrebs) jedoch bekannt. Deshalb ist die Gabe von Testosteronen bei Männern nach dem 50. Lebensjahr noch umstritten, was allfällige negative Einflüsse auf das Wachstum eines bereits bestehenden Prostatakrebses betrifft. Nach modernen Erkenntnissen allerdings kann hier weitgehend Entwarnung gegeben werden - dennoch sind bei Testosteronersatz engmaschige Kontrollen der Prostata und Prostata-Blutwerte angezeigt.

Testeronersatz - ein Risiko für Herzkrankheiten ?

Auf Grund jahrzehntelanger Forschungen auf dem Hormongebiet hat man angenommen, dass Oestrogene (weibliche Hormone) sowohl das Herzinfarkt - als auch das Schlaganfallrisiko vermindern, während Androgene (männliche Hormone) dieses Risiko erhöhen. Mehrere Studien in jüngster Zeit lassen nun aber an den angenommenen Vorteilen der Oestrogene starke Zweifel aufkommen.

Es ist daher an der Zeit, die möglichen Herz-Kreislauf-Wirkungen einer Testosterontherapie bei alternden Männern neu zu überdenken. Das negative Bild der Androgene stammt von den nicht gerechtfertigten Folgerungen auf Grund von Studien an Sportlern, die ohne ärztliche Kontrolle hochdosierte Testosterone erhielten. Zwar konnte im Tierversuch gezeigt werden, dass Androgene Ablagerungen in Gefässen vergrössern, gleichzeitig aber fand sich eine sehr vorteilhafte Ausweitung des Gefässquerschnittes. Testosteron erweitert die Herzkranzgefässe und hat sich sogar in Kurzzeitstudien zur Behandlung arterieller Erkrankungen bewährt. Männer mit einem hohen Testosteronwert im Blut haben nicht ein hohes sondern ein niedriges Risiko, eine arterielle Erkrankung zu erleiden. Solche Widersprüche bedürfen der Klärung durch fortgesetzte klinische Studien - insgesamt aber hat in der modernen Fachliteratur ein Umdenken zugunsten der Testosterone eingesetzt!

Zukunftsperspektiven

Der moderne alternde Mann ist informiert, gebildet und vermögend und damit grundsätzlich einer sogenannten Ersatztherapie - die keineswegs sich nur auf das Testosteron beschränkt, sondern auch Wachstumshormon, Melatonin und Nebennierenrindenhormone umfasst - zugänglich. Es geht grundsätzlich darum, das Gesundheitsbewusstsein bei Männern zu stärken, konnte doch bis heute die These gelten: "Frauen kommen zur Prävention (Vorbeugung) Männer erst zur Reparatur". Hormonersatz allein kann keine verbesserte Lebensqualität bringen - eine angepasste Ernährung, vermehrte körperliche Aktivitäten sowie geistige Tätigkeit müssen miterfolgen um den Hormonersatzbehandlungen auch den erwünschten Wirkungsgrad zu verleihen.

Männer werden mit Testosteron nicht länger leben, sicher aber besser.

 

Selbsttest

Bin ich im männlichen Klimakterium oder nicht?

die Anzeichen kommen meist schleichend und sind für den Mann anfangs nur schwer zu deuten: Erschöpfungszustände, Depression, Gereiztheit und reduzierte Libido können die ersten Symptome des männlichen Klimakteriums sein, das meist zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr einsetzt.

Mit dem nachfolgenden Test können Sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit herausfinden, ob bei Ihnen die Andropause bereits eingesetzt hat - oder ob Sie vielleicht sogar schon mittendrin sind.

 

Fragebogen - Checkliste Testosteronmangel
  
Welche Medikamente nehmen Sie ein:
 
 Hat sich Ihr allgemeines Wohlbefinden verschlechtert?
ja teilweise nein

Haben Sie eine Abnahme Ihrer Aktivität bemerkt?
ja teilweise nein

 Sind Sie in letzter Zeit häufig müde und haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis?
ja teilweise nein

 Leiden Sie an Schlafstörungen oder Durchschlafstörungen?
ja teilweise nein

 Hat Ihre Tatkraft nachgelassen und fehlt Ihnen die Lust zu Unternehmungen?
ja teilweise nein

 Sind Sie in letzter Zeit nervöser als zuvor und klagen Sie über innere Unruhe?
ja teilweise nein

 Sind Sie häufiger missgestimmt und reizbar?
ja teilweise nein

 Hat bei Ihnen die Konzentrationsfähigkeit nachgelassen?
ja teilweise nein

 Hat sich Ihr Bartwuchs vermindert?
ja teilweise nein

 Haben Sie eine Abnahme Ihrer Muskelkraft bemerkt?
ja teilweise nein

 Hat die Anzahl der morgendlichen Erektionen abgenommen?
ja teilweise nein

 Haben Sie bemerkt, dass Ihre Libido - die Lust auf Sexualverkehr - nachgelassen hat?
ja teilweise nein

Haben Sie festgestellt, dass Ihre Potenz nachgelassen hat?
ja teilweise nein

Haben Sie Kreuz-, Gelenk- oder Gliederschmerzen bei sich bemerkt?
ja teilweise nein

 Leiden Sie häufig unter starkem Schwitzen?
ja teilweise nein

Dieser Test kann und will keine Diagnose liefern. Je mehr Fragen mit "teilweise" oder "ja" beantwortet wurden, desto wichtiger ist es, eine Aerztin oder einen Arzt aufzusuchen. Nur diese können die Frage klären, ob die Beschwerden auf ein Hormontief zurückzuführen sind, und ob eine Behandlung nötig und sinnvoll ist.

Weiteres Informationsmaterial zu diesem Thema erhalten Sie bei Sekretariat der Schweizerischen Gesellschaft für Andrologie finden Sie hier.

Adresse der Gesellschaft:
Schweizerischen Gesellschaft für Andrologie
c/o Dr. med. Christian Sigg
FMH Andrologie und Dermatologie
Regensbergstr. 91
8050 Zürich

 

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